<p>Wir schreiben das Jahr 1986. In Tschernobyl passiert der Supergau, Argentinien wird Fußballweltmeister und der 17-jährige Boris Becker gewinnt Wimbledon. Zur gleichen Zeit nutzen britische Minenarbeiter mancherorts immer noch einen Kanarienvogel zur Warnung vor gefährlichen Gasen. Unglaublich, oder?</p> <p>In der Zwischenzeit hat die Forschung zum Glück erhebliche Fortschritte erzielt und wir können uns heute auf eine Gaswarntechnik verlassen, die ausgereift und zuverlässig ist. Einige Hersteller sind sogar einen deutlichen Schritt weiter gegangen und werben damit, dass ihre Gaswarngeräte mit „smarten“ Sensoren ausgestattet sind. Was ist aber eigentlich so schlau an dieser Technologie und braucht man das überhaupt? Maßlos übertriebene Werbeversprechen ist man mittlerweile gewöhnt und nicht alles was sich gut anhört ist in der Realität auch wirklich sinnvoll. Smartsensor, was soll das? Wofür brauche ich einen Sensor mit Abitur?</p> <p>In der Gaswarntechnik erfüllen Sensoren wichtige Aufgaben wie Messgrößenerfassung und die komplette Signalaufbereitung. Sie sollen also gefährliche Gase erfassen, die Menge/ Konzentration definieren und als Signal an die weiterführende Elektronik ausgeben. Dies bezieht sich auf alle Sensoren, unabhängig von ihrem Messprinzip. Was macht also ein Smartsensor besser oder smarter? Die Verbesserung bezieht sich nicht auf den Messvorgang an sich, sondern auf eine Funktionserweiterung. Auf einem Smartsensor werden zum Beispiel zusätzliche Daten abgespeichert wie technische Parameter, Seriennummer, Kalibrierdaten oder Herstellungsdatum. Des Weiteren können durch eine spezielle Software die Rohdaten des Sensors ausgelesen werden. Die Interpretation dieser Werte erlaubt es, die voraussichtliche weitere Lebensdauer des Sensors einzuschätzen. Möglichst einfach erklärt handelt es sich hierbei um eine zusätzliche Funktion in Form von einer Angabe der „Restlaufzeit“ des Sensors. Gerade diese Eigenschaft bringt enorme Vorteile. Dadurch werden beim Service die Sensoren immer dann ausgewechselt, wenn es auch wirklich Sinn ergibt. Im Normalfall geschieht das entweder pauschal nach Herstellerempfehlung, im Falle eines Funktionsausfalls oder auf Verdacht. Die tatsächliche Lebensdauer eines Sensors ist nicht nur durch sein Alter definiert (außer beim konventionellen Sauerstoff), sondern hängt von mehreren Faktoren ab. Insbesondere natürlich davon, wie oft und in welchen Konzentrationen ein Sensor mit seinem Zielgas konfrontiert wird. So kann beispielsweise ein CO Sensor nur etwa 1-2 Jahre halten, aber genauso gut 5 oder 7 oder sogar noch länger. Die smarte Technik hilft dabei den optimalen Zeitpunkt für den Austausch zu bestimmen. Daraus ergeben sich gleich mehrere Vorteile.</p> <p>Vorteile der Smartsensoren:</p> <p>Erhöhte Sicherheit – der Sensor kann ausgetauscht werden bevor er das Ende seiner Funktionsfähigkeit erreicht. Somit wird das Risiko eines plötzlichen und unerwarteten Sensorausfalls minimiert. Das Risiko, dass sich ein Mitarbeiter mit einem nicht funktionsfähigen Gerät in eine Gefahrensituation begibt kann dadurch erheblich reduziert werden.</p> <p>Erhöhte Wirtschaftlichkeit – Sensoren bleiben länger in Benutzung und werden nicht pauschal ausgetauscht. Dies kann die Einsatzzeit deutlich verlängern und ordentlich Geld sparen.</p> <p>Mehr Flexibilität – ein Smartsensor kann auch „offline“ kalibriert werden. Somit können in einem einzigen Gehäuse mehrere Sensoren nacheinander eingesetzt werden, was die Bandbreite erheblich erhört. Angenommen wir nutzen ein einfaches Singlegaswarngerät mit einem CO-Sensor, tauschen diesen dann gegen HCN, dann gegen NO2 und später gegen PH3 aus… und so weiter. Dann wird aus einem 1-Gas Gerät ein 7-Gas Warngerät oder sogar noch mehr. Allerdings handelt es sich hierbei natürlich nicht um eine gleichzeitige Messung, sondern es kann immer lediglich nacheinander gemessen werden. Es sei denn wir arbeiten mit einem 5-Gas Gerät wie z.B. dem MultiRae von Rae Systems, für das weit über 20 Sensoren verfügbar sind. Dann nutzen wir ein Gehäuse mit einer enormen Bandbreite an Möglichkeiten.</p> <p>Diese Option macht Gaswarngeräte mit Smartsensoren ausgesprochen vielseitig, aber natürlich sind nicht bei jedem Anbieter alle möglichen Sensor-Kombinationen möglich oder verfügbar. Auch der Funktionsumfang variiert je nach Hersteller, denn eine gemeinsame Richtlinie zu dem was „smart“ ist und was nicht, gibt es bislang nicht. Dennoch bedeutet diese empfehlenswerte Erfindung eine Erweiterung der Sicherheit und des Einsatzgebietes. Kurzum, Smartsensoren sind kein Schnick-Schnack sondern eine sinnvolle Weiterentwicklung und tatsächlich auch richtig smart. Ein großer Schritt in Richtung Zukunft und noch weiter weg vom Kanarienvogel.</p>

 

Smartsensoren

Wir schreiben das Jahr 1986. In Tschernobyl passiert der Supergau, Argentinien wird Fußballweltmeister und der 17-jährige Boris Becker gewinnt Wimbledon. Zur gleichen Zeit nutzen britische Minenarbeiter mancherorts immer noch einen Kanarienvogel zur Warnung vor gefährlichen Gasen. Unglaublich, oder?

In der Zwischenzeit hat die Forschung zum Glück erhebliche Fortschritte erzielt und wir können uns heute auf eine Gaswarntechnik verlassen, die ausgereift und zuverlässig ist. Einige Hersteller sind sogar einen deutlichen Schritt weiter gegangen und werben damit, dass ihre Gaswarngeräte mit „smarten“ Sensoren ausgestattet sind. Was ist aber eigentlich so schlau an dieser Technologie und braucht man das überhaupt? Maßlos übertriebene Werbeversprechen ist man mittlerweile gewöhnt und nicht alles was sich gut anhört ist in der Realität auch wirklich sinnvoll. Smartsensor, was soll das? Wofür brauche ich einen Sensor mit Abitur?

In der Gaswarntechnik erfüllen Sensoren wichtige Aufgaben wie Messgrößenerfassung und die komplette Signalaufbereitung. Sie sollen also gefährliche Gase erfassen, die Menge/ Konzentration definieren und als Signal an die weiterführende Elektronik ausgeben. Dies bezieht sich auf alle Sensoren, unabhängig von ihrem Messprinzip. Was macht also ein Smartsensor besser oder smarter? Die Verbesserung bezieht sich nicht auf den Messvorgang an sich, sondern auf eine Funktionserweiterung. Auf einem Smartsensor werden zum Beispiel zusätzliche Daten abgespeichert wie technische Parameter, Seriennummer, Kalibrierdaten oder Herstellungsdatum. Des Weiteren können durch eine spezielle Software die Rohdaten des Sensors ausgelesen werden. Die Interpretation dieser Werte erlaubt es, die voraussichtliche weitere Lebensdauer des Sensors einzuschätzen. Möglichst einfach erklärt handelt es sich hierbei um eine zusätzliche Funktion in Form von einer Angabe der „Restlaufzeit“ des Sensors. Gerade diese Eigenschaft bringt enorme Vorteile. Dadurch werden beim Service die Sensoren immer dann ausgewechselt, wenn es auch wirklich Sinn ergibt. Im Normalfall geschieht das entweder pauschal nach Herstellerempfehlung, im Falle eines Funktionsausfalls oder auf Verdacht. Die tatsächliche Lebensdauer eines Sensors ist nicht nur durch sein Alter definiert (außer beim konventionellen Sauerstoff), sondern hängt von mehreren Faktoren ab. Insbesondere natürlich davon, wie oft und in welchen Konzentrationen ein Sensor mit seinem Zielgas konfrontiert wird. So kann beispielsweise ein CO Sensor nur etwa 1-2 Jahre halten, aber genauso gut 5 oder 7 oder sogar noch länger. Die smarte Technik hilft dabei den optimalen Zeitpunkt für den Austausch zu bestimmen. Daraus ergeben sich gleich mehrere Vorteile.

Vorteile der Smartsensoren:

Erhöhte Sicherheit – der Sensor kann ausgetauscht werden bevor er das Ende seiner Funktionsfähigkeit erreicht. Somit wird das Risiko eines plötzlichen und unerwarteten Sensorausfalls minimiert. Das Risiko, dass sich ein Mitarbeiter mit einem nicht funktionsfähigen Gerät in eine Gefahrensituation begibt kann dadurch erheblich reduziert werden.

Erhöhte Wirtschaftlichkeit – Sensoren bleiben länger in Benutzung und werden nicht pauschal ausgetauscht. Dies kann die Einsatzzeit deutlich verlängern und ordentlich Geld sparen.

Mehr Flexibilität – ein Smartsensor kann auch „offline“ kalibriert werden. Somit können in einem einzigen Gehäuse mehrere Sensoren nacheinander eingesetzt werden, was die Bandbreite erheblich erhört. Angenommen wir nutzen ein einfaches Singlegaswarngerät mit einem CO-Sensor, tauschen diesen dann gegen HCN, dann gegen NO2 und später gegen PH3 aus… und so weiter. Dann wird aus einem 1-Gas Gerät ein 7-Gas Warngerät oder sogar noch mehr. Allerdings handelt es sich hierbei natürlich nicht um eine gleichzeitige Messung, sondern es kann immer lediglich nacheinander gemessen werden. Es sei denn wir arbeiten mit einem 5-Gas Gerät wie z.B. dem MultiRae von Rae Systems, für das weit über 20 Sensoren verfügbar sind. Dann nutzen wir ein Gehäuse mit einer enormen Bandbreite an Möglichkeiten.

Diese Option macht Gaswarngeräte mit Smartsensoren ausgesprochen vielseitig, aber natürlich sind nicht bei jedem Anbieter alle möglichen Sensor-Kombinationen möglich oder verfügbar. Auch der Funktionsumfang variiert je nach Hersteller, denn eine gemeinsame Richtlinie zu dem was „smart“ ist und was nicht, gibt es bislang nicht. Dennoch bedeutet diese empfehlenswerte Erfindung eine Erweiterung der Sicherheit und des Einsatzgebietes. Kurzum, Smartsensoren sind kein Schnick-Schnack sondern eine sinnvolle Weiterentwicklung und tatsächlich auch richtig smart. Ein großer Schritt in Richtung Zukunft und noch weiter weg vom Kanarienvogel.

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